{"id":729,"date":"2020-04-09T11:05:33","date_gmt":"2020-04-09T11:05:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.trans.zhdk.ch\/boundarywork\/?p=729"},"modified":"2020-07-29T09:07:28","modified_gmt":"2020-07-29T09:07:28","slug":"experimentalsysteme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.mtr.zhdk.ch\/boundarywork\/experimentalsysteme\/","title":{"rendered":"Experimentalsysteme"},"content":{"rendered":"\n<p>Erfordert ist zuallererst, sich nicht auf einzelne Experimente zu kaprizieren, sondern bestimmte Experimentalanordnungen oder \u00abExperiment<a href=\"https:\/\/www.wissenswerkstatt.net\/2007\/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume\/\">alsysteme\u00bb als kleinste vollst\u00e4ndige Arbeitseinheiten in den Blick zu fassen: Verk\u00f6rperungen von bestimmten technischen Fertigkeiten, bereits vorausgesetztem Wissen, Vermutungen \u00fcber zu produzierende Ph\u00e4nomene und die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen. Experimenta<\/a>lsysteme sind Materialisierungen von Fragen und als solche \u00abMaschinen zur Herstellung von Zukunft\u00bb (Fran\u00e7ois Jacob). Sie sind es aber nur deshalb, weil in ihnen gerade nicht \u00fcber klar umrissene Alternativen entschieden, sondern Unvorhergesehenes in Bricolagetechnik erzeugt wird, das sich weder im Rahmen eines theoretischen Systems noch als experimentelle Notwendigkeit prognostizieren l\u00e4sst: unter Bedingungen, die hinreichend stabil sein m\u00fcssen, um den neuen Ph\u00e4nomenen \u00fcberhaupt Bedeutungen zuweisen zu k\u00f6nnen; die aber auch nicht zu stabil sein d\u00fcrfen, weil sonst gar keine unerwarteten Ereignisse erzeugt w\u00fcrden, die es gestatten, tastend zu neuen \u00abDingen\u00bb und damit Erkl\u00e4rungen vorzustossen.<a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/article7QZ1S-1.499872\">https:\/\/www.nzz.ch\/article7QZ1S-1.499872<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Um ein Problem zu analysieren, ist der Biologe gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf einen Ausschnitt der Realit\u00e4t zu richten, auf ein St\u00fcck Wirklichkeit, das er willk\u00fcrlich aussondert, um gewisse Parameter dieser Wirklichkeit zu definieren. In der Biologie beginnt mithin jede Untersuchung mit der Wahl eines \u008bSystems\u009b. Von dieser Wahl h\u00e4ngt der Spielraum ab, in dem sich der Experimentierende bewegen kann, der Charakter der Fragen, die er stellen kann, und sehr oft sogar auch die Art der Antworten, die er geben kann.&#8221;<a href=\"https:\/\/www.wissenswerkstatt.net\/2007\/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume\/\">https:\/\/www.wissenswerkstatt.net\/2007\/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>#objectgroup #Experimente #Experimentalsysteme #Rheinberger #<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p><strong>Gedanken bez\u00fcglich <strong>Anwendbarkeit<\/strong> <strong>in transdisziplin\u00e4ren Projekten<\/strong> <\/strong><a href=\"https:\/\/www.wissenswerkstatt.net\/2007\/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume\/\">https:\/\/www.wissenswerkstatt.net\/2007\/experimentalsysteme-hans-joerg-rheinberger-skizziert-kontingenzspielraeume\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Experimentalsysteme sind die Materialisierung von Fragen. Sie sind Maschinen zur Herstellung von Zukunft. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Frage: K\u00f6nnte also ein Experiment Ausgangslage f\u00fcr ein transdisziplin\u00e4res Projekt sein?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Von dieser Wahl (Systemwahl des Experiments) h\u00e4ngt der Spielraum ab, in dem sich der Experimentierende bewegen kann, der Charakter der Fragen, die er stellen kann, und sehr oft sogar auch die Art der Antworten, die er geben kann. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Frage: Wenn verschiedene Disziplinen zusammenarbeiten und unterschiedliche Experimentalsysteme mitbringen, k\u00f6nnen sie so wie sie vorbestehen angewendet werden oder gilt es genau ein &#8220;neues&#8221; Experimentalsystem zu entwickeln?<\/span> (Die Wissenschaft sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, da\u00df sie stets nur ihre eigenen (eben soziologischen) Kriterien und Sichtweisen an ihren Gegenstand herantrage. Und somit eben den tats\u00e4chlichen Vorg\u00e4ngen in den chemischen, physikalischen oder biologischen Laboren niemals gerecht werden k\u00f6nne.Und tats\u00e4chlich f\u00e4llt es oftmals schwer, diesen Verdacht zu entkr\u00e4ften. Denn die Forschungsarbeit in den jeweiligen Disziplinen ist nicht nur hochspezialisiert, sondern gehorcht auch einer subtilen, fachspezifischen Eigenlogik.) <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Frage: Das heisst, die Eigenlogik muss auf jeden Fall gebrochen werden. Durch ein neues System? Durch die Vermischung von verschiedenen Systemen?<\/span> Das Neue werde allein durch eine Experimentalanordnung erm\u00f6glicht, die Unsch\u00e4rfen, Nichtwissen und \u2013 wie ich hinzuf\u00fcgen m\u00f6chte \u2013 Kontingenz zu integrieren in der Lage ist. (Rheinberger)<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Es ist klar, dass die Entstehung des Neuen in den modernen Wissenschaften etwas mit dem Experiment zu tun hat. Aber wie kann man zu fassen bekommen, was da im Kern des Geschehens vor sich geht, eben dort im Dunkeln, wenn man vor den Tunnels und den Sch\u00e4chten fr\u00fcherer Werke steht? Man f\u00e4ngt ja nie von vorne an, sondern steht am Ende eines Weges, den andere gegangen sind.<\/p><p>Experimentalsysteme sind also \u00e4usserst trickreiche Anlagen; man muss sie als Orte der Emergenz ansehen, als Strukturen, die wir uns ausgedacht haben, um Nicht-Ausdenkbares einzufangen. Sie sind wie Spinnennetze. Es muss sich in ihnen etwas verfangen k\u00f6nnen, von dem man nicht genau weiss, was es ist, und auch nicht genau, wann es kommt. Es sind Vorkehrungen zur Erzeugung von unvorwegnehmbaren Ereignissen.<\/p><p>Man kann das Forschen also als eine Suchbewegung charakterisieren, die sich auf der Grenze zwischen dem Wissen und dem Nichtwissen bewegt. Das Grundproblem besteht darin, dass man nicht genau weiss, was man nicht weiss. Damit ist das Wesen der Forschung kurz, aber b\u00fcndig ausgesprochen. Es geht letztlich um das Gewinnen von neuen Erkenntnissen; und was wirklich neu ist, ist definitionsgem\u00e4ss nicht vorhersehbar, es kann also auch nur begrenzt herbeigef\u00fchrt werden. Was wirklich neu ist, muss sich einstellen, und man muss Bedingungen daf\u00fcr schaffen, dass es sich einstellen kann. Mit dem Experiment schafft sich der Forscher eine empirische Struktur, eine Umgebung, die es erlaubt, in diesem Zustand des Nichtwissens um das Nichtwissen handlungsf\u00e4hig zu werden. (\u2026) Das Experiment ist, wenn man so will, eine Suchmaschine, aber von merkw\u00fcrdiger Struktur: Sie erzeugt Dinge, von denen man immer nur nachtr\u00e4glich sagen kann, dass man sie h\u00e4tte gesucht haben m\u00fcssen.<\/p><cite>Rheinberger<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Seine Arbeiten (Rheinberger) stellen den spannenden Versuch dar, den untergr\u00fcndigen Mechanismen des wissenschaftlichen Forschens auf den Grund zu gehen. Und dabei gelingt es ihm regelm\u00e4\u00dfig, Selbstverst\u00e4ndlichkeiten des wissenschaftlichen Arbeitsprozesses als Konstrukte zu entlarven, die lediglich Ausdruck einer disziplin\u00e4ren und\/oder sprachlichen Konvention sind. Nicht mehr, nicht weniger. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Frage: k\u00f6nnte der Bruch der Eigenlogik genau darin liegen, die Mechanismen des wissenschaflichen Forschens kritisch zu reflektieren?<\/span><\/p>\n\n\n\n<p>Das Expirement nicht als Best\u00e4tigendes oder Widerlegendes verstehen, sondern als ungeordneten Prozess, Unvorhersehendes bringend. Die Geradlinigkeit und Stringenz des Forschungsverlaufs wird allenfalls nachtr\u00e4glich konstruiert. <span class=\"has-inline-color has-luminous-vivid-amber-color\">Frage: Das Experimentalsystem also als &#8220;Methode&#8221; und nicht als Atwortbringende anwenden.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"excerpt\">Erfordert ist zuallererst, sich nicht auf einzelne Experimente zu kaprizieren, sondern bestimmte Experimentalanordnungen oder \u00abExperimentalsysteme\u00bb als kleinste vollst\u00e4ndige Arbeitseinheiten in den Blick zu fassen: Verk\u00f6rperungen von bestimmten technischen Fertigkeiten, bereits vorausgesetztem Wissen, Vermutungen \u00fcber zu produzierende Ph\u00e4nomene und die ihnen zugrunde liegenden Mechanismen. 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